Samstag, 27. Dezember 2008

Alba Berlin scheitert in der Qualifikation zum Nike International Junior Tournament

Wärend des Final Fours der Euroleague findet parallel jedes Jahr auch das so genannte Nike International Junior Tournament statt, so etwas wie eine inoffizielle Europameisterschaft der U-18 Vereinsmannschaften. Da das Final Four im nächsten Jahr in Berlin stattfindet, wäre es schön gewesen, wenn dort auch ein deutsches Team hätte teilnehmen können. Aus diesem Grund versuchte sich Alba Berlin heute beim Qualifikationsturnier in Rom einen Startplatz zu ergattern. Bereits bei der Kaderzusammenstellung gab es allerdings ein Problem. Die NBBL in Deutschland ist eine U-19 Liga, in Rom durften allerdings nur U-18 Spieler antreten.

Deshalb konnte Alba Berlin nur mit dem jüngeren Jahrgang des NBBL-Teams antreten (Sebastian Fülle, Niels Giffey, Konstantin Klein, Friedrich Lotze, Dawit Villarzu, Brian Wenzel)  und verstärkte diesen mit drei Spielern von Central Hoops (Martin Bogdanov, Sofian M’Rad, Malte Ziegenhagen), sowie zwei Spielern vom Kooperationspartner Urspring (Kevin Bright, Nevylle Richter). Wieso man dabei allerdings aus Urspring Nevylle Richter, der auch im dortigen NBBL Team keine große Rolle spielt (10 MpS, 3 Pps, 3 RpS), mitnahm und nicht den deutlich talentierten und besseren Justin Raffington (22 MpS, 12 PpS, 6 RpS) kann nur vermutet werden. Bei der Auslosung hatte man zunächst allerdings Glück und bekam mit Stella Azura Rom und Zalgiris Kaunas zwei eigentlich lösbare Aufgaben zugelost.

Doch im ersten Spiel gegen den Gastgeber Stella Azura fand Berlin zunächst überhaupt nicht ins Spiel und lag bereits zum Ende des ersten Viertels mit 7-17 hinten. Eine verbesserte Defense der Berliner und immer wieder starke Offensivszenen von Kevin Bright (20 Punkte, 8 Rebounds) und Niels Giffey (17 Punkte, 6 Rebounds, 3 Assists) sorgten in der Folge allerdings dafü, dass Alba den Vorsprung Zug um Zug verkleinern konnte. Nach dem 65-68 Mitte des vierten Viertels ging den Berlinern allerdings die Luft aus. Angeführt von Simone Colonnelli (13 Punkte, 3 Rebounds) und Haukur Palsson (8 Punkte, 4/5 aus dem Feld) konnten die Italiener den Vorsprung wieder auf zehn Punkte erhöhen (76-66), so dass ein starker Schlußauftritt von Brian Wenzel mit drei Drei-Punkte-Würfen den Rückstand nur noch auf den Endstand 79-81 verkürzen konnte.

Nun musste im zweiten Spiel des Tages gegen Zalgiris Kaunas ein möglichst hoher Sieg her, um noch eine Chance auf den Gruppensieg und somit auf das Finalturnier in Berlin zu behalten. Doch ohne den im letzten Spiel noch so stark aufspielenden Kevin Bright (Grund ist bisher nicht bekannt) hatte Alba fast das gesamte Spiel über keine Chance auf den Sieg. Zwar startete man mit einem 5-0 Run ins Spiel und konnte das Spiel bis zum Ende des ersten Viertels offen halten, doch ein desaströses zweites Viertel (7-20) entschied das Spiel bereits vorzeitig. Zumal auch der zweite Leistungsträger des ersten Spiels Niels Giffey nicht ins Spiel fand und nur auf 4 Punkte kam (1 von 5 aus dem Feld). Da konnte auch ein starker Auftritt von Brian Wenzel (15 Punkte, 7 von 10 aus dem Feld) die deutliche 76-57 Niederlage nicht verhindern.

Berlin steht damit bereits vor dem abschließenden Gruppenspiel zwischen Stella Azura und Zalgiris Kaunas als Gruppenletzter fest und muss morgen gegen den dritten der Gruppe D (vermutlich Maroussi Costa Coffee) antreten. Sollte man dieses Spiel gewinn, darf man immerhin noch im Spiel um Platz neun auflaufen. Doch die Teilnahme am Nike International Junior Tournament ist nun nur noch theoretisch durch eine Wildcard der ULEB (eine wird noch vergeben) möglich.

Freitag, 26. Dezember 2008

Deutsche Bank Skyliners basteln am Team

Eine schöne Weihnachtsbescherung gab es in diesem Jahr für die Fans der Deutschen Bank Skyliners. Mit Adam Emmenecker, Anthony King, Titus Ivory und Greg Jenkins konnten gleich vier Spieler mit auslaufenden Verträgen weiterverpflichtet werden.

Point Guard Emmenecker hatte im letzten Jahr an der Drake University mit 8,6 Punkten und 6,5 Assists pro Spiel seinen sportlichen Durchbruch und wollte eigentlich schon die Basketballschuhe an den Nagel gehängt haben. Stattdessen plante er, sich mit seinem Abschluß in Wirtschaft und Finanzen an der Wall Street einen Job suchen. Letztlich entschied er sich dann aber doch zunächst sein Glück als Profi-Basketballer zu versuchen und nahm ein Angebot der deutschen Bank Skyliners zum Try Out an. Sportlich konnte er die Verantwortlichen dabei zwar von sich überzeugen, verletzte sich allerdings noch vor Saisonbeginn an den Adduktoren und bekam deshalb zunächst nur einen Zeitvertrag bis zum Ende des Jahres.

Nachdem er nun aber die letzten zwölf Spiele allesamt bestreiten konnte wurde sein Vertrag bis zum Saisonende verlängert, obwohl Emmenacker seinen Wurf bisher noch überhaupt nicht gefunden hat (36 % aus dem Feld, 0-11 Dreiern). Mit seiner hervorragenden Defense und seiner Ruhe im Spielaufbau soll er dennoch wichtige Entlastungspausen für den etatmäßigen Point Guard Pascal Roller schaffen

Etwas anders sieht die Situation bei Titus Ivory aus. Der amerikanische Guard war bereits 2006 in der BBL aktiv und holte damals mit Köln sogar den Meistertitel. Anschließend spielte er weiterhin in Europa in Vilnius und Oostende, wo er 2007 die belgische Meisterschaft holte. Als nun zu Saisonbeginn neben dem längerfristig verletzten Jimmy McKinney auch noch Keith Simmons einige Wochen auszufallen drohte, verpflichteten die Skyliners Ivory für zwei Monate, da sie bei seiner Vita vermuten konnten, dass er nicht all zu viel Eingewöhnungszeit benötigen würde und dem Team sofort helfen könnte. Diese Rechnung ging auf. Ivory punktet hochprozentig aus dem Feld, macht nur wenig Fehler und legt mit 11 Punkten und 3 Rebounds pro Spiel solide Statistiken auf.

Mittlerweile allerdings sind McKinney und Simmons beide wieder einsatzbereit, so dass eine Weiterverpflichtung Ivorys nicht zwingend notwendig erschien. Nachdem sich aber sogar Konkurrent McKinney für eine Vertragsverlängerung aussprach und dabei insbesondere anführte vom positiven Konkurrenzkampf im Training enorm zu profitieren, zückten die Frankfurter noch einmal die Brieftasche und verlängerten Ivorys Vertrag um zwei Monate. Das sich Ivory darauf einließ, obwohl er anderswo einen besser dortierten, längerfristigen Vertrag hätte unterzeichnen können, spricht dafür, dass er sich in Frankfurt wohlfühlt.

Weniger Wohl fühlen sich zumeist die Center unter Murat Didin. Dieser erwartet extrem viel von seinen Postspielern und ist deswegen mit dem vorhandenen Spielermaterial auf dieser Position zumeist unzufrieden, was zu jeder Menge Entlassungen und Neuverpflichtungen führt. In seiner ersten Frankfurter Amtszeit flüchteten deswegen unter anderem Robert Maras und Bernd Kruel und legten anschließend noch ordentliche Zahlen bei anderen BBL-Vereinen auf. Auch der letztjährige Frankfurt Center Ken Johnson hatte so seine Probleme mit Didin und führt in diesem Jahr die BBL bei den Blocks an – allerdings mittlerweile im Trikot der Telekom Baskets Bonn.

Umso besser für Frankfurt, dass Didin nun in diesem Jahr zwei Center gefunden zu haben scheint, die ihm zusagen. Anthony King, dessen Vertrag nun zunächst um zwei Monate verlängert wurde, war ähnlich wie Emmenecker vor Saisonbeginn direkt vom College zum Try Out der Skyliners geladen worden. Dort wusste er augenscheinlich zu überzeugen und gibt in dieser Saison einen soliden Back-up Center, der in wenigen Minuten seine Leistung bringt. Dass er durchaus auch zu mehr in der Lage ist, zeigte er in den beiden Spielen gegen Bamberg und Oldenburg, in denen er mehr Spielzeit erhielt und sich mit 16 bzw. 14 Punkten bedankte.

Ähnlich sieht die Situation bei Greg Jenkins aus, der ebenfalls nicht übermäßig viel Einsatzzeit sieht, da Didin desöfteren auf eine kleinere Aufstellung mit Derick Allen als Center vertraut. Zunächst ebenfalls nur bis Ende Dezember verpflichtet, wusste Jenkins allerdings sogar dem stets kritischen Didin zu gefallen und bekam deshalb direkt einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2009/10.

Die Frankfurter haben damit nun – trotz des verletzungsbedingten Karriereendes von Kirsten Zöllner – einen der am tiefsten besetzen Kader der BBL. Dies dürfte nicht zuletzt eine Reaktion auf das letztjährige Playoff-Aus im Halbfinale als man der langen Bank der Telekom Baskets Bonn nichts entgegen zu setzen hatte, obwohl diese im entscheidenden fünften Spiel sogar auf Ronnie Burrel und John Bowler und somit auf den Starting Frontcourt verzichten mussten. Gelingt es den Frankfurtern neue Geldquellen aufzutreiben und Ivory und King auch über den Februar hinaus zu behalten, dürfte sich dies in diesem Jahr eher nicht wiederholen.

Fraglich ist allerdings wie es um die Teamchemie bestimmt sein wird, wenn die Spielzeit einiger Spieler doch eher begrenzt ausfallen wird. Insbesondere die beiden deutschen Dominik de Mello und Max Weber, aber auch der talentierte Bulgare Ilian Evtimov könnten unter der Konkurrenz leiden. Bekommt Trainerfuchs Didin dieses Problem allerdings in den Griff, ist den Skyliners ein tiefer Playoff-Run zuzutrauen.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Kommentare und Notizen zum 15. Spieltag

  •  Beim 79:73-Sieg seiner Kölner über die New Yorker Phantoms Braunschweig machte Guido Grünheid zur Abwechslung mal wieder ein gutes Spiel (14 Punkte, 5 Rebounds). Dies war allerdings fürs erste auch sein letztes Spiel im Trikot der Köner, Grünheid wechselt nun auch offiziell nach Griechenland zu Egaleo Athen. Gleichzeitig konnten die Kölner aber immerhin auch bekannt geben, dass sie ihren bisherigen Topscorer Jamon Gordon bis zum Saisonende unter Vertrag nehmen konnten.

  • Das junge deutsche Spieler durchaus ansprechende Zahlen auflegen können, wenn man ihnen nur genügend Spielzeit gibt, bewies einmal mehr Christian Hoffmann für Trier. Zwar konnten auch seine 11 Punkte (drei von vier Dreier) die 82:74-Niederlage gegen Ulm nicht verhindern, aber nach zuletzt mehreren punktlosen Spielen mit wenig Einsatzzeit hat Hoffmann mal wieder bewiesen, dass man auf ihn bauen kann.

  • Die Eisbären Bremerhaven konnten bei ihrer 83:67-Niederlage gegen die Brose Baskets Bamberg erstmals auf ihren neuen Center Jared Reiner zurückgreifen. Dieser war mit 14 Punkten auch gleich Topscorer seines Teams, konnte die deutliche Niederlage allerdings auch nicht verhindern. Und das obwohl bei Bamberg die drei Nationalspieler Tim Ohlbrecht, Robert Garrett und Demond Greene in zusammen 59 Minuten auf nur magere sechs Punkte kamen. 

  • Erstmals seit dem Aufstieg in der letzten Saison durfte die BG Göttingen an diesem Wochenende - zumindest für einen Tag - an der Tabellenspitze stehen. Beim 87:80-Erfolg über Nördlingen honorierten dies auch die Zuschauer: Mit 3474 Zuschauern war die heimische Lokhalle erstmals in diesem Jahr ausverkauft.

  • Nach zuletzt drei Siegen in Folge musste die ENBW Ludwigsburg in der heimischen Rundsporthalle beim 73:77 gegen Paderborn wieder eine Niederlage einstecken. Der ehemalige Nationalspieler Stefano Garris spielte dabei auf Seiten der Paderborner neun Minuten, warf dabei zwei Dreier daneben und kam ansonsten noch auf zwei Fouls. Seine Karriere - vom ehemals gehypten Nachwuchsstar in Berlin zum defensiven Rollenspieler in Paderborn – hatte sich Garris sicher auch anders vorgestellt.

  •  Sportlich hatten die Gießen 46ers beim 75:57 gegen die Deutsche Bank Skyliners nicht viel zu lachen. Die Gießener Fans hatten allerdings die Lacher auf ihrer Seite. Ihnen war es gelungen den Frankfurter Fans ein Plakat mit der Aufschrift „Unsere Mütter ziehen LKWs“ unterzujubeln, welches diese auch brav hochhielten.

  • Der Stuhl von Trainer Thorsten Leibenath in Quakenbrück beginnt langsam aber sicher doch zu wackeln. Bei der 72:93-Heimniederlage gegen Oldenburg wollte er den Gegner mit einer großen Rotation müde zu spielen. Tatsächlich setzte er auch elf Spieler ein, von denen aber nur Darren Fenn (21 Punkte, 10 Rebounds) überzeugen konnte. Der Rest des Teams präsentierte sich desaströs und verlor bereits das zweite Viertel mit 7:31.

  • Drei Dreier in Folge von E.J. Rowland sorgten zwei Minuten vor Schluß für die Wende beim 70:60-Triumph seiner Bonner gegen Düsseldorf. Die wichtigste Nachricht des Tages wurde allerdings erst nach dem Spiel bekannt gegeben: Center Ken Johnson wurde bis Saisonende unter Vertrag genommen und freute sich sichtbar darüber.

  •  Die BBL-Tabelle ist momentan mal wieder ziemlich verzerrt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Alba Berlin drei Spiele weniger als der Tabellenführer aus Bonn hat. Eines dieser Spiele soll nun am morgigen Montagabend nachgeholt werden. Ein Spitzentermin, insbesondere für die Fans aus Tübingen...

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Elias Harris vor Wechsel in die NCAA

Nach Lucca Staiger will sich nun mit Elias Harris allem Anschein nach ein weiteres großes deutsches Basketball-Talent den Feinschliff an einem US-College holen. Nach zwei starken Auftritten bei den U 18 Europameisterschaften 2006 und 2007 gilt Harris bereits seit längerem als großes Talent und ging im letzten Jahr für die BIS Baskets Speyer in der Pro B auf Korbjagd. Dort war er mit 20.5 Punkten pro Spiel hinter Nikita Khartchenkov zweitbester deutscher Scorer und dank seiner 8.7 Rebounds effektivster deutscher Spieler und hatte damit maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt seines Teams.

Als Lohn dafür wurde er nicht nur vor David McCray und Karsten Tadda zum „P4two Pro B Youngster des Jahres“ gewählt, sondern durfte im Rahmen des BBL-Allstardays auch beim NBBL-Allstargame antreten. Harris begeisterte die Zuschauer mit einigen spektakulären Aktionen, inklusive einem außergewöhnlichen Dunkings mitten ins Gesicht von Andreas Seiferth. Und auch sonst zeigte Harris, dass er mit seiner Explosivität und seinem Spielverständnis, den meisten seiner Altersgenossen deutlich überlegen war. Nicht umsonst wurde Harris nach dem Spiel zum MVP gewählt.

International sorgte er dann im Sommer wieder für Aufsehen, als er die deutsche U20-Nationalmannschaft zum Titelgewinn bei der B-EM führte und somit für den Aufstieg in die A-Division sorgte. Im Finale gegen die bis dahin ebenfalls noch ungeschlagenen Belgier, kam er dabei auf 16 Punkte und vier Rebounds und traf sieben seiner zehn Versuche aus dem Feld. Insgesamt kam er auf 14.6 Punkte pro Spiel (Platz 19) und traf 61% aus dem Feld (Platz 1).

Nun hat die Gonzaga University bekannt gegeben , dass Harris seine Zusage gegeben hat im nächsten Jahr für die so genannten „Bulldogs“ in der NCAA aufzulaufen. Diese waren im diesjährigen NCAA-Tournament in der Midwest Divison auf Platz sieben gerankt, schieden aber bereits in der ersten Runde gegen den späteren Elite Eight (Viertelfinale)-Teilnehmer Davidson aus. Aktuell hat Gonzaga eine Bilanz von 7-1 Siegen und liegt damit auf Platz zwei der West Coast Conference.

Ob Harris ähnlich wie Staiger zunächst ein Jahr aussetzen muss oder ob die NCAA ihre Regeln in der Zwischenzeit etwas spielerfreundlicher auslegt ist zur Zeit allerdings noch offen.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Eisbären Bremerhaven in der Krise

Es ist nicht gut bestellt um die Eisbären Bremerhaven. Gerade einmal drei Jahre nachdem der damalige Aufsteiger mit einem perfekt zu einander passenden Team um Aufbau Brian Jones die Liga überraschte und bis ins Halbfinale stürmte, steht der Verein jetzt vor dem Abgrund. In 13 spielen kam man bisher erst auf einen mageren Sieg, der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt schon jetzt drei Siege. Und auch das nur weil die Gießen 46ers aufgrund einer Sternchenwertung bei Punktgleichheit automatisch auf den hinteren Platz gesetzt werden.

Wie aber konnte es dazu kommen? Aus meiner Sicht gibt es da mehrere Gründe:

1. Trainer Sakalauskas steht eigentlich für einen eher europäischen Spielstil, der auf einem hohen Maß an Spielintelligenz fußt. Im Aufstiegsjahr hatte man diese Spieler mit Leuten wie Brian Jones, Nick Jacobson, Evaldas Jocys oder Darren Fenn. Solche Spieler allerdings sind teuer geworden, da vor allem international immer mehr Teams auf diesen Spielertyp setzt und es eben nur eine begrenzte Anzahl solcher Spieler gibt. Bremerhaven reagierte darauf, indem man nun verstäkt auf athletische Amerikaner setzte. Bei der Verpflichtung dieser lag man allerdings zumeist ziemlich daneben. So trennte man sich vor der letzten Saison von Brian Jones und verpflichtete stattdessen Brian Brown. Brown ist beileibe kein schlechter Spieler, aber eben alles andere als spielintelligent und schon gar kein Point Guard.

2. Hinzu kommt ein zweiter Effekt. Sakalauskas ist ein Disziplinfanatiker, der von seinen Spielern extrem viel erwartet. Im Aufstiegsjahr war dies noch kein Problem, da die Spieler das System des Coaches verinnerlicht hatten und Sakalauskas zudem ohnehin nur über eine sehr kleine Rotation verfügte, also quasi gezwungen war Spieler trotz gemachter Fehler auf dem Feld zu lassen. Dies änderte sich in den Folgejahren. Teilweise wechselte Sakalauskas Spieler nach nur einem Fehler wieder aus und raubte diesen so das Selbstvertrauen und den Spaß am Spiel.

3. Zudem benötigen vor allem die atheltischen US-Amerikaner eine gewisse Freiheit, um ihre Stärken ausspielen zu können. Sakalauskas aber versuchte zu oft diese Spielertypen in sein System zu pressen, was immer wieder zu Spannungen und letztlich sogar Entlassungen sorgte. Die Liste der Spieler, die sich mehr oder weniger im Unfrieden aus Bremerhaven verabschiedeten jedenfalls ist lang, man erinnere sich nur an Axel Pleuger, Tarick Johnson, Tommy Adams, Brian Jones, Tony Bobbit, Ivars Timermanis oder zuletzt wieder Marcus Slaughter.

4. Spieler zu entlassen und neue zu verpflichten kostet allerdings Geld, eine ganze Menge Geld sogar. In Bremerhaven allerdings schien dies zunächst niemanden zu stören und als man letztes Jahr die Playoffs zu verpassen drohte verpflichtete man kurzerhand die nicht gerade billigen Matt Haryasz, Anthony Tolliver und Tony Bobbitt. Zwar schaffte man so noch den Sprung in die Playoffs, wies am Ende der Saison allerdings einen Fehlbetrag in mittlerer sechsstelliger Summe aus, der von der Stadt beglichen wurde. Und das obwohl die Stadt den Verein ohnehin schon Jahr für Jahr mit hohen sechsstelligen Summen subventioniert. Durch diese Belastungen aus dem letzten Jahr standen dann allerdings in diesem Jahr wiederum nur begrenzte Mittel zur Verfügung.

Wie aber ließen sich die angesprochenen Probleme beheben? Aus meiner Sicht nur durch einen Wechsel auf der Trainerposition. Zwar bin ich normalerweise kein Freund solcher Maßnahmen und halte persönlich Sakalauskas für einen absoluten Fachmann und - mit den richtigen Spielern - auch für einen exzellenten Coach, doch in diesem Fall ist diese Maßnahme auf Dauer absolut ununmgänglich.

Die Eisbären Bremerhaven sind da allerdings anscheinend anderer Meinung und versuchen den Kraftakt aus dem letzten Jahr zu wiederholen. Nach Darius Pakamanis, Craig Callahan und Eric Osmundson verpflichtete man nun auch noch Jared Reiner, der den meisten noch aus dem letzten Jahr bekannt sein dürfte, als er für die Brose Baskets Bamberg auflief. Dort zeigte er zwar seine unbestrittene spielerische Klasse, kam aber mit dem Disziplinfanatiker Bauermann nicht zu Recht. Ob er da besser nach Bremerhaven und zu Sakalauskas passt bleibt abzuwarten.

Finanziert wurden die Neuzugänge im übrigen zum großen Teil von Wolfgang Grube, einem Bremerhavener Bauunternehmer, der die Eisbären seit längerem finanziell unterstützt. Dieser gilt als guter Freund von Manager Jan Rathjen, weshalb dieser wohl nicht um seinen Job fürchten muss. Rathjen wiederum scheint in Nibelungentreue an Coach Sakalaskaus festhalten zu wollen. Ob und wie lange das noch gut geht wird eine der spannenden Fragen sein, die es in der Rückrunde zu beobachten gilt.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Lucca Staiger zum Rookie der Woche gekürt

Eine schöne Nachricht erreicht uns heute aus der amerikanischen Collegeliga NCAA. Der ehemaligedeutsche Jugendnationalspieler Lucca Staiger (u.a. U-18 EM 2005 und U-20 EM 2006) wurde in der Big 12 Conference zum Rookie der Woche gekürt. Dies ist um so erfreulicher, da Staigers College-Karriere zunächst mit einem Rückschlag startete. Statt nämlich sofort für sein Team (die Iowa State University) auflaufen zu können, musste er zunächst ein Jahr aussetzen, da ihn die NCAA als Profi deklarierte. Was war passiert? Staiger hatte in Deutschland zusammen mit Profis in einem Team gespielt, selbst aber kein Geld verdient.

Im Gegenteil Staiger hatte sogar alles getan um auf keinen Fall als Profi zu erscheinen.  Als die Urspring-Schule ihm das Schulgeld erlassen wollte, lehnten dies seine Eltern mit Verweis auf die strengen NCAA-Regularien ab und bezahlten es brav weiter aus eigener Tasche. Zudem lehnte Staiger zahlreiche Angebote europäischer Spitzenklubs ab, um sich seinen Traum von der NCAA zu erhalten. Zwar schaltete sich während des Konfliktes mit der NCAA sogar der DBB ein und wandte sich an den Weltverband FIBA, doch dies nützte letztlich genauso wenig wie die von Fans ins Leben gerufene „Free Lucca“-Petition, die in den USA landesweit für aufsehen sorgte. Staiger musste ein frustrierendes Jahr auf der Tribüne verbringen.

Doch nun ist Staigger zurück auf dem Court. Zwar musste er sich im Sommer einer Operation am Knie unterziehen und ist dadurch noch immer eingeschränkt, doch wollte er auf keinen Fall noch länger auf seinen ersten Einsatz warten. Vor etwas mehr als einem Monat am 14.11.2008 war es dann endlich soweit. Staiger betrat erstmals das Parkett des Hilton Coliseums, der Heimstätte seines Teams, und alle 13.135 Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen und empfingen den deutschen mit stehenden Ovationen.

Doch zunächst hatte Staiger noch einige Probleme sein Spiel zu finden. In den ersten beiden Spielen, nahm er insgesamt nur fünf Würfe und traf gar nur einen einzigen. Doch dann gelang ihm gegen die Wisconsin-Milwaukee Panthers der Durchbruch: Vier von fünf Dreiern, zwölf Punkte, fünf Rebounds und vier Assists standen für ihn am Ende der Partie zu Buche. Staiger war nun auch sportlich in der NCAA angekommen.

Zwar verlässt sich Staiger momentan noch zu sehr auf seinen Distanzwurf und vernachlässigt andere Wege um zu punkten, dies dürfte sich aber besseren, sobald die Probleme mit seinem Knie abklingen. Mit 48 % Dreierquote gehört er schon jetzt zu den besten Schützen der NCAA und wenn er so weiter macht, bleibt die Auszeichnung zum Rookie der Woche wohl nicht seine letzte in den drei ihm noch verbleibenden Jahren am College.

Das Mid-Iowa Newspaper hat vor einem Monat einen interessanten Artikel über Staigers Jugend und seine bisherige Karriere veröffentlicht. Wer mehr wissen will: Hier geht es lang (engl.).

Montag, 15. Dezember 2008

Guido Grünheid verlässt Köln: Hoffnungsschimmer oder letzter Sargnagel?

Guido Grünheid – immerhin ehemaliger deutscher Nationalspieler (und damit der Beweis wie schlecht es wirklich mal um den deutschen Nachwuchs stand) – soll sich laut einem interbasket-User mit dem griechischen Verein Aigaleo BC auf einen Vertrag bis zum Saisonende geeinigt haben. Eigentlich eine Meldung, die kaum einen vom Hocker hauen würde, wenn Grünheid nicht bisher noch bei den Köln 99ers unter Vertrag stehen würde. Erst vor kurzem verloren die 99ers Yassin Idbihi, weil diesem ein lukratives Angebot aus der zweiten (!) französischen Liga vorlag und die Kölner mit diesem finanziell nicht mithalten konnten. Jetzt also auch noch Grünheid?

Kurze Rückblende: Jahrelang gehörten die Köln 99ers dank ihres Mäzens Herbert Zimmer zu den finanzstärksten Vereinen der Bundesliga und konnten es sich leisten bei Spielerverpflichtungen ordentlich zu klotzen. Doch Mitte der letzten Saison ging Zimmer privat pleite und musste sämtliche Zahlungen einstellen. Die 99ers schlitterten in die Insolvenz und hatten eigentlich ihre BBL-Lizenz schon zurückgegeben, als sich in allerletzter Sekunde mit dem Hamburger Jürgen Wollny doch noch ein Investor fand, der das Überleben der Profi-Mannschaft sicherte.

Doch Wollny ist kein Mäzen im Stille Zimmers, der fröhlich den privaten Geldbeutel öffnet. Stattdessen setzte er es sich zum Ziel den öffentlichen Auftritt der 99ers zu professionalisieren, die unter Zimmer zumeist vernachlässigten Kontakte zur Wirtschaft zu reaktivieren und so ein tragfähiges Netzwerk zu schaffen. Ersteres ist ihm durchaus gelungen, doch bisher scheint sich dies nocj nicht in neuen Sponsorengeldern niederzuschlagen.

Die logische Konsequenz daraus: Ein Kader, der nur in absoluter Top-Verfassung bundesligatauglich ist. Bisher allerdings blieb die Mannschaft diesen Nachweis nur all zu oft schuldig und steht deshalb mit nur drei Siegen völlig zu Recht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Problematisch ist dabei nicht nur die teilweise fehlende individuelle klasse des Kaders, sondern auch der erzwungene Trainerwechsel vor der Saison. Sasa Obradovic hatte jahrelang in Köln als Spieler und Trainer gute Arbeit geleistet und auch viel Herzblut investiert, erlag dann aber doch dem Angebot des BC Kiev, einem Verein, der sich finanziell in ganz anderen Sphären bewegt.

Nachfolger Drasko Prodanovic hatte jahrelang an der Seite Obradovics gearbeitet und galt vielen als das eigentliche Hirn hinter den Kölner Erfolgen und Einflüsterer seines Chefs. Dies mag teilweise so gewesen sein, im Moment zeigt Prodanovic aber auch, dass er für einen Job an vorderster Coaching-Front eher nicht geeignet ist. Eine konfuse Verteilung der Spielzeit, unverständliche Auswechslungen, sowie fatale Fehlentscheidungen in Drucksituationen sind nur einige der Dinge, die ihm vorgeworfen werden. Ein junges Team, wie das der Kölner bräuchte aber eigentlich einen Coach der Sicherheit vermittelt.

Die Situation in Köln ist also im Moment sowohl finanziell, als auch sportlich alles andere als rosig. Und doch gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Erst vor wenigen Wochen konnte man mit der Renault Deutschland AG und deren Marke Dacia endlich einen größeren Sponsoren-Deal an Land zu ziehen. Die eingenommene Summer beläuft sich dabei zwar nicht ganz auf den im Internet kolpoltierten mittleren sechsstelligen Betrag, immerhin steht aber nun überhaupt wieder Geld für Nachverpflichtungen zur Verfügung.

Zudem scheint es nun gelungen zu sein mit Guido Grünheid einen der Topverdiener, der nie die erwartete Leistung brachte, loszuwerden. Auch das so eingesparte Geld, dürfte schon recht bald in neue Spieler investiert werden. Köln kann laut Liga-Regularien noch zwei Spieler verpflichten und wird dies auch in nächster Zeit tun. Wer es allerdings wird hängt davon ab, welcher Spieler denn überhaupt in der Lage ist den 99ers sofort zu helfen und bereit wäre nach Köln zu wechseln. Auf Sportdirektor Stephan Baeck und sein Scoutingteam kommt da eine Menge Arbeit zu. Denn eins ist klar, die beiden Nachverpflichtungen müssen jetzt sitzen...